Der Fan! Swiss-House of DM, Interview 2011

Im Frühling 2011 haben wir uns auf die Suche nach einem treuen, langjährigen Fan gemacht. Fündig wurden wir im Zürcher Oberland bei Patricia: Ihre Sammlung an DM-Devotionalien ist beeindruckend, sogar ein orangefarbener "Bong" (Megaphon aus "Strangelove"/"NLMDA") schmückt das Haus. Wann immer Fans bei ihr zu Besuch sind, zeigen sie sich erstaunt über die wohl landesweit grösste DM-Sammlung. Von Patricia wollten wir mehr über ihre Hingabe und Begeisterung zu Depeche Mode erfahren.



dm.ch: Die meisten von uns Fans wurden irgendwann in den 80er-Jahren vom DM-Virus infiziert. Was oder wer hat Dich zum Devotee gemacht?

 

Patricia: So richtig hat für mich alles mit den farbigen DM-Maxis angefangen, die mein älterer Bruder regelmässig auflegte. Ich war damals etwa 10 Jahre alt und mich faszinierten die seltsamen Klänge, die von diesen ausserirdisch wirkenden Scheiben kamen. Bis Ende der 80er hatte ich keine eigenen Platten, sondern „nur“ Tapes, die mein Bruder überspielt hat. Die hüte ich noch heute wie einen Schatz. Mitte 80er begann mein Bruder selbst mit Synthis zu experimentieren. Dadurch hat er mir auch zeigen können, wie interessant elektronische Musik generell ist. Seit 1997 ist er Mitglied der Band „Irrlicht“.

 

dm.ch: Deine Sammlung ist beeindruckend, nicht nur in Sachen Tonträger oder Poster. Was sind Deine verrücktesten Artikel?

 

Patricia: Da kommen mir einige Dinge in den Sinn. Mein wertvollster Artikel ist der US-Gold-Award für das Live-Album „101“, der ursprünglich Dave Gahan gehörte. Dann steht eine mit DM-Merchandise eingekleidete Schaufensterpuppe in einer Zimmerecke, aber ich erschrecke immer wieder wegen ihr (lacht). Das schönste Erinnerungsstück ist eine persönliche Widmung von Dave zu meinem 30. Geburtstag. Nicht zu vergessen: Besonders schöne DM-Unikate, die eine Freundin bastelte, wie zum Beispiel einen Duschvorhang und einen WC-Deckel, beide mit Mister Feathers, ein „Sounds Of The Universe“-Mobile und mehr. Besonders stolz bin ich auf das knallorangene „Music For The Masses“-Megaphon…

 

dm.ch: Wie kommt man in der heutigen Zeit zu einem orangenen Megaphon? Wahrscheinlich ist es nicht so einfach, so ein Ding "abzuschrauben" (lacht)?

 

Patricia: Seit 1987 wollte ich selbst so ein Megaphon besitzen. 2008 hatte mein Mann die Idee, die Schweizerischen Bundesbahnen wegen eines ausrangierten Exemplares anzufragen. Auf Umwegen kamen wir günstig zu einem Stück, das dem Original sehr nahe kam. Freudig trug ich das damals noch graue, schmutzige Teil zum Zürcher Hauptbahnhof, was ein paar Passanten schmunzelnd zur Kenntnis nahmen. Schliesslich war ich für Reinigung und Farbe zuständig, mein Bruder für die passende Beschriftung. Ein richtiges Familien-Werk also.

 

dm.ch: Hört sich toll an, die SBB für einmal nicht nur in den Medien wegen Preisaufschläge..;-) . Dutzende von Tour- und Promoshirts stehen schön gebügelt und in Folie verpackt in Deinem „DM-Zimmer“. Wann entstand diese Sammelleidenschaft? Oder ergab sich das Ganze mit der Zeit?

 

Patricia: Seit 1983 sammle ich alle DM-Artikel, die ich bekommen kann. Zunächst waren das vor allem Berichte und Poster aus der Bravo. Mit der Zeit kamen Remix-CDs, alle Arten von Bild-/Tonträgern, Ausland-Pressungen, TV-Aufnahmen aus aller Welt, Tourprogramme, Tassen und vieles mehr zusammen. Besonders viele Erinnerungen verbinden mich mit den monatlich ergänzten „Black File“-Ordnern der B.M.A., dem damaligen Schweizer Fanclub. T-Shirts im speziellen sammle ich seit 1987. Die meisten davon habe ich wohl im Jamarico in Zürich, bei der „Party For The Masses“ in Hamburg oder bei Konzerten gekauft. Jedes der rund 100 Shirts habe ich mehrmals getragen und trage sie auch heute noch.

 

dm.ch: Sprechen wir kurz über die Tonträger der Band. Meine persönlichen „Lieblinge“ sind die farbigen Vinyls, die Bridgehouse-LP und die verschiedenen Boxen. Auf welche Platte bist Du besonders stolz und würdest sie niemals hergeben?

 

Patricia: Ui, schwierig… Meine Lieblings-Tonträger von DM sind sicher die farbigen Vinyl-Scheiben, vor allem die weisse „Stripped“-Maxi und die durchsichtige LP von „Music For The Masses“. Dann natürlich die Fehlpressung der „Toys“ Picture-Disc, wo ein Bild von Robert Smith statt von Dave drauf ist. Auch die Japan-Ausgaben, darunter Promo-Singles, sind was Spezielles, mit anderen Covern, exotischer Beschriftung, eigenem Artwork.

 

dm.ch: Deine grosse Sammlung an DM-Devotionalien hat sogar Potential für ein Museum bzw. eine Vernissage. Hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht? (lacht). Teile Deiner Sammlung waren sogar an der letzten Party von peoplearepeople.ch ausgestellt.

 

Patricia: Aus Spass bezeichnen Freunde meine Sammlung als „Swiss House Of Depeche Mode“ oder „Museo Depeche Mode“. Tatsächlich machte ich mir schon Gedanken, einen Ausstellungsraum zu mieten. Aber es ist mir wohler, wenn ich die Sachen in den eigenen vier Wänden weiss. Es ist immer schön, die Freude in den Augen der Fans zu sehen, wenn sie mein „Museum“ besuchen. Die Anfrage von peoplearepeople.ch, etwas davon für ihre grossartige Party zu verwenden, hat mich riesig gefreut und geehrt.

 

dm.ch: Wir Fans denken immer wieder in Superlativen. Welcher war für Dich als Fan der grösste Augenblick in Deiner fast 30jährigen „Fan-Laufbahn“?

 

Patricia: Da gab’s einige: Nach dem Lausanner Konzert 1993 erhielt ich von Dave persönlich ein Autogramm. Ich war völlig perplex und hob ein liegengelassenes Merchandise-Preisschild vom Boden auf, und das signierte er dann. Unvergesslich bleibt auch das Meet & Greet 2006 in Genf. Auf der Reise dorthin war mir so was von übel, aber die Nervosität verflog rechtzeitig, zum Glück! Ein absolutes Highlight war Alans Gastauftritt in der Royal Albert Hall letztes Jahr. Eine eindrückliche Atmosphäre und die schönste Konzerthalle, in der ich je war.

 

dm.ch: Dein Leben besteht natürlich nicht nur aus Depeche Mode. Kannst Du uns auch etwas über Dein Hobby „Strangecolours“ oder Deine Liebe zu Elefanten erzählen?

 

Patricia: Ja, der Mensch lebt nicht nur von Depeche Mode allein (lacht). Ich liebe es auch zu fotografieren und Bilder zu bearbeiten, vor allem Portraits, Natur und Tiere. Eigentlich alles Mögliche. „Strangecolours“ ist der Name meines Fotoprojektes und ist natürlich abgeleitet von… DMs „Strangelove“. Am liebsten arbeite ich mit abstrakten Farben und schwarz/weiss-Bildern. Von den Elefanten bin ich inzwischen so begeistert, dass ich ihnen mit „Elefriends“ eine eigene Internet-Seite widmete. Ich habe diese Giganten in den letzten Jahren kennen und lieben gelernt. Für mich sind sie so grossartig, überwältigend, gefühlsvoll und herzergreifend wie die Musik von Depeche Mode.

 

dm.ch: Lass uns nochmals über DM sprechen: Welches Konzert möchtest Du nicht missen? Und welches Album und welcher Song sind Deine absoluten Favoriten

 

Patricia: Lausanne 1993 und Locarno 2006 waren so phänomenal, dass es mir heute noch kalt den Rücken runterläuft. Die Piazza Grande in Locarno ist eine wunderbare Kulisse für ein Konzert. In Lausanne befürchtete ich, die Fans bringen das Stadion zum einstürzen. Band und Publikum haben perfekt harmoniert. Da soll mal einer sagen, die Schweizer können keine Stimmung machen.
EIN Lieblings-Album und -Song? Fast unmöglich zu beantworten, da ich so ziemlich alles von ihnen mag. Einfacher wäre die Frage, was mir weniger gefällt (lacht)! Ich denke, ich bin mit ihrer Musik mitgewachsen. Das heisst, heute gefallen mir die Alben ab „Ultra“ besser. Bei meinen Lieblings-Songs verhält es sich gleich. Zu meinen Favoriten gehören sicher „Insight“, „Nothing’s Impossible“ und „Wrong“. Alle diese Lieder haben eine direkte Beziehung zu meinem Leben.

 

dm.ch: Patty, wir danken Dir für dieses Gespräch und für die Einblicke in Deine grossartige Sammlung.

 

Patricia: Ein grosser Dank an das Team und weiterhin viel Erfolg mit dm.ch



p2jpg

p3jpg

p4jpg

p5jpg

p6jpg